Klein aber fein
Ich wuchs in einem idyllischen Dorf auf, mit sage und schreibe 5 Häusern. Hier lebten mehr Hühner, Kühe und »Bambis« als Einwohner. Rundherum dichter Wald und weite Felder soweit das Auge reicht. Vor allem als Kind gab es vieles zu entdecken und zu erleben. Ich liebte es, draußen zu sein und Blödsinn zu machen. Durch das knackende Gehölz zu sprinten, auf Wiesen zu rangeln und abenteuerliche Lager mit den Nachbarskindern zu bauen. Ein Gefühl wie es heutzutage vielleicht immer weniger kennen..
Ich war um die 7 oder 8 Jahre alt, als die ersten Kampfkunst-Filme meine Begeisterung auslösten. Von da an hatte es mich gepackt.
Ich sammelte jegliches Material über die damaligen Vorbilder wie: Bruce Lee, Jackie Chan, Jean Claude van Damme, Benny »The Jet« Urquidez oder Mr. Myagi (kleiner Scherz.. ). Hochmotiviert ahmte ich die Bewegungen aus deren Filmen nach und fühlte mich wie ein Held. Selbst wenn ich mich dabei manchmal selbst verletzte oder meinen beiden Schwestern auf die Nerven ging.. Sämtliche Bücher und Videos über alle erdenklichen Kampfkünste dieser Erde wurden von mir regelrecht verschlungen. Es ist bis heute schwer, genau zu erklären, was mich daran derart fasziniert und fesselt. Aber seitdem begleitet die Kampfkunst jeden einzelnen meiner Tage. Viel mehr noch, es ist ein Weg für´s Leben geworden.
Endlich.. lass dem Freak seine Liebe
Nach jahrelangem Betteln meldeten mich meine Eltern in einer 35 km entfernten Karate-Schule an. Damals gab es nichts anderes, geschweige denn in unserer Nähe. Selten war es möglich, dass mich jemand mit dem Auto fährt, weshalb es bei Schnee wie bei Hitze mit dem Schwung aufs Fahrrad oder zu Fuß losging. Erst 5 km durch den Wald zum örtlichen Bahnhof, gefolgt von einer halben Stunde Zugfahrt. Das Training fand je nach Wochentag in unterschiedlichen Hallen statt. Und je nachdem waren zum Schluß nochmal weitere 3 bis 6 km zu laufen, bis ich schließlich im Training ankam. Das alles 3 bis 4 mal die Woche, im Alter von ca. 12 Jahren.
Ich erinnere mich genau daran, wie es in den Hallen duftete. Es dämmerte schon draußen und die Atmosphäre hatte mystisches Flair. Die Menschen, die ich dort kennen lernen durfte, haben mich mit Ihrer Freundlichkeit und Zielstrebigkeit geprägt. Es fühlte sich an wie eine Art »Geheimbund«, in dem Wissen über die Kampfkünste geteilt wird. Ich empfand es als etwas sehr Besonderes, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Zuerst sollte man die Tugenden lernen, die für die Kampfkunst so bedeutend sind. Dinge wie Fleiß, Entschlossenheit, Willensstärke, Respekt und vor allem, an sich selbst zu glauben. Hier wurde der Grundstein gelegt für alles was mich in meinem Leben für die Kampfkünste noch erwarten würde. Hier begann ich endlich meinen Traum zu leben.
Ich war der Freak, der nie Zeit für irgendwelche Partys oder für Disco hatte, weil es mich immer mehr erfüllt hat zuhause zu stehen um meine Techniken zu üben. Doch selbst nach 7 Jahren des Trainings im Karate, ließ mich meine Neugier über die anderen Kampfkünste nicht los. Der Drang weiter zu forschen trieb mich an. Zugleich wuchsen Kampfschulen für andere Stile in der Umgebung empor. Kurze Zeit verschlug es mich zum Kickboxen, Ju Jutsu und Teakwondo. Doch hatte ich auch dort nie das Gefühl angekommen zu sein.
Zeit, weiter zu ziehn
Mit ca. 19 Jahren stieß ich auf Wing Tsun-Kung Fu. Diese Art des Kämpfens war anders wie das, was ich bisher gekannt hatte. Geschmeidig und fließend, mit explosiver Dynamik. Es wurden Automatismen und Reaktionen »eingepflanzt« und vor allem taktile Reize genutzt, um sich dem Gegner anzupassen. Es war in Deutschland zu jener Zeit eine regelrechte Sensation in der Kampfkunstwelt, auch wenn es heute nichts Besonderes mehr darstellt..
So widmete ich weitere 8 Jahre voller Begeisterung dem Studium des Wing Tsun.
Just do what you love!
Zu der
Zeit hatte ich viele Möglichkeiten, da ich gute Noten in der Schule schrieb. Dennoch wollte ich nicht auf eine weiterführende Schule, weil ich so nicht mehr regelmäßig am Training hätte teilnehmen können. So entschied ich mich für eine Handwerker-Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, obwohl ich nichtmal wusste, was das für ein Beruf ist. Mich interessierten einzig die Arbeitszeiten, um noch pünktlich ins Training zu kommen. Nach 12 unglücklichen Jahren in dieser Tätigkeit folgte eine Umschulung zum Industriekaufmann und darauf eine Weiterbildung zum Fachwirt.
Die wirkliche Erfüllung fand ich bei keinem dieser Arbeiten. Nach wie vor ist alles was mich fesselt die Kampfkünste. Mich hat nie etwas anderes interessiert und das wird sich wohl nie ändern.
Mein Weg zum Martial Arts Systematics Regensburg
Nach vielen Jahren des Trainings im Wing Tsun fühlte ich Stagnation im Herzen und es kam nichts Neues mehr. Diese »Stagnation« bezog sich, neben der kämpferischen Seite, auf meine Persönlichkeitsentwicklung im Gesamten. Es fehlten Herausforderungen und innerlich erkannte ich die Schwächen, die auch dieser Stil mit sich brachte. Das testete ich mit Leuten aus anderen Stilen. Mir wurde bewusst, das trotz aller Versprechungen selbst das Wing Tsun nur eine eingeschränkte Sicht auf den Kampf im Ganzen vermittelt. Sie »verkauften« dort einige Illusionen, die auf diese Weise nicht in der Praxis funktionierten. In der Summe hat mich darum auch das Wing Tsun, trotz dem guten Gefühl das es einem gab, sehr enttäuscht. Und das nach täglichem und intensivem Training..
Ich suchte mehr und hielt Ausschau nach einer Kampfkunst, die alle Aspekte eines Kampfes und der eigenen Entwicklung berücksichtigt.. Eine Suche nach Wahrheit, Ehrlichkeit und Erkenntnis. Am besten mit maximaler Effektivität und einer respektvollen Philosophie dahinter. Ohne peinliches »Hau drauf- Ego- Getue«, wie es des Öfteren in herkömmlichen Kampfsportarten der Fall ist.
Sportliche Wettkämpfe interessierten mich nur als Jungspund. Bis ich zu dem Bewusstsein gelangte, dass durch die Versportlichung die Kampfkünste in Ihrem Ursprung verstümmelt werden, egal wie »frei« man glaubt, dort zu kämpfen.
Bruce Lee?
Auf meiner Suche stieß ich natürlich auch auf das Lebenswerk von Bruce Lee, dem Jeet Kune Do. Dafür gab es keine Schule im Umkreis von 400 km und ohne Trainingspartner war es eher eine schwierige Mission. Zudem ist es meine Meinung, dass Jeet Kune Do oft falsch interpretiert und überliefert wurde. Jeet Kune Do ist, aus meiner Sicht, die Kampfkunst von Bruce Lee, und zwar einzig für ihn. Die Menschen fingen an, Bruce Lee nachzuahmen. Sie wollten genauso schnell sein wie er, mit den gleichen Techniken die er favorisierte. Meiner Meinung nach geht dieses »Nachahmen« total an der Philosophie des Jeet Kune Do vorbei, weshalb ich mich letztlich dagegen entschied. Mir ging es vielmehr darum, mich als Individuum entwickeln zu dürfen. Ich wollte keine schlechte Kopie von jemanden sein, selbst wenn er noch so gut kämpfte.
Ong Tai Heinrich Pfaff
Bei meiner Suche reiste ich zu vielen Meistern verschiedenster Stile und Systeme, im In- und Ausland. Glücklicherweise bekam ich mit, dass der Meister Sifu Heinrich Pfaff ebenfalls den Wing Tsun Verband verlassen hatte. Unter anderem, um sich freier zu entfalten und nicht mehr an strenge stilistische Vorgaben und Ansichten des Wing Tsun-Verbands gefangen zu sein. »Sifu« ist eine Auszeichnung, ein hoher Titel, der in Kung Fu Stilen verliehen wird. Diesen legte er als Zeichen des Abstands zum Wing Chun ab. Im Martial Arts Systematics Regensburg sprechen wir hier von einem »Ong Tai«, einem Mentor und Gründer einer neuen Kampfkunstgeneration.
Ich kannte Ong Tai Heinrich Pfaff noch aus früheren Wing Tsun Zeiten. Er blieb mir immer als eine herausragende Ausnahme im Gegensatz zu anderen Meistern in Erinnerung.. Erfreulicherweise gab Ong Tai einen offenen Lehrgang nicht weit meiner Heimatstadt.
Nun, was soll ich sagen: Während und nach diesem Lehrgang war ich den Freudentränen sehr nahe.. Alles was er sagte und tat, war so voller Klarheit, Inspiration und Wahrheit. Ein »Wing Chun« war nicht wieder zu erkennen, oder doch? Ich war verwirrt.. Doch fand Antworten auf Fragen, die in mir schon ewig schlummerten. Erst hier wurde mir klar, wie wenig ich damals trotz jahrelangem Training wusste und welcher Illusion ich hinterherlief.
Erkenntnis bis zum Ursprung
Jede Kampfkunst hat Ihre Berechtigung. Diese Berechtigung stützt sich auf den jeweiligen Ursprung des Kampfsystems. Also dem, aus welcher Notwendigkeit heraus eine Kampfkunst entstanden ist. Mit diesem Wissen wird es offensichtlich, warum jedes Kampfsystem anderen Techniken und Taktiken folgt und sie jeweils ein unterschiedliches Erscheinungsbild haben. Kurz gesagt, alle Künste waren Ihrer Zeit, Umgebung, Umständen und vor allem ihrem Nutzen angepasst. Das bedeutet jedoch nicht, dass es für unsere heutige Zeit auch noch gut sein muss.
Nochmal zum Mitschreiben: Techniken und Bewegungsformen entstanden immer aus einer Notwendigkeit heraus, sie entstanden aus einem »Müssen«. A la: Verhindere, dass er sein Schwert zieht, oder Du wirst geschlachtet.. Danach bleibt Dir nur ein einziger Stoß um zu überleben. (Karate).
Darum, wenn Du eine Kampfkunst wirklich verstehen möchtest, so finde Ihren Ursprung. Denn allein im Ursprung liegt die Wahrheit von dem was Du tust. Dieses „alte Wissen“ über die Notwendigkeit einer Technik, Prinzips oder Konzepts sind die wahren Geheimnisse der Kampfkünste. Aus hinzukommender Erfahrung und Erkenntnissen muss dieses Wissen ständig verfeinert und an die Anforderungen unserer Zeit angepasst werden. Leider wurden diese im „Sinne des Sports“ aber immer mehr weg gemeißelt und verstümmelt. So lief es Gefahr, dass dieses alte Wissen verloren ging..
Das „Missing Link“ der Kampfkünste
Trotzdem lassen sich alle Kampfkünste durch ein tieferes Verständnis miteinander verbinden. Mit dem Wissen über die übereinstimmenden Gesetze, Prinzipien und Konzepte im Kampf entsteht ein »Link« zueinander. Ong Tai Heinrich Pfaff schuf einen Lernweg, der auf ursprünglicher Entwicklung und somit Erkenntnis basiert. Er zeigte damit das »Missing Link« der Kampfkünste zueinander auf. Es erlaubt jedem, sich im fortgeschrittenen Stadium individuell zu entfalten und seinen eigenen Weg zu finden. Jeder kreiert sozusagen seine eigene Kampfkunst, basierend auf eigenen Vorlieben, Interessen oder Ängsten. Es ist ein Weg voller Höhen und Tiefen, wie das Leben selbst. Hier geht es um weitaus mehr als um Techniken. Hier geht es um das Verständnis universeller Prinzipien, so wie sie auch im Leben eins zu eins vorkommen.
Jedoch wird nur derjenige, der bereit ist beständig an sich zu arbeiten, das Missing Link verstehen. Man erreicht dadurch unter anderem ein Lebensgefühl von Offenheit und Leichtigkeit, begleitet von ewigem Wissensdurst und der Freude am Lernen und Bewegen. Martial Arts Systematics Regensburg ist das Instrument zum Missing Link.
Ong Tai schuf mit seinem Lebenswerk, dem heutigen »Martial Arts Systematics Regensburg«, einen Lebensweg. Hier finde ich seit über 10 Jahren alles und noch sehr viel mehr, als ich damals zu erwarten wagte. Alles was mein begeistertes Kampfkunstherz begehrt. Hier gibt es keine Grenzen außer die, die man sich selbst ziehen will. Martial Arts Systematics Regensburg besticht durch ein intelligentes Aufbauprogramm, welches es erlaubt die Kampfkunst nicht nur auszuüben, sondern auch zu verstehen. Es ist ein Weg der Erkenntnis und der Erfahrung, auf dem die jeweiligen Techniken vor allem im fortgeschrittenen Stadium nur Mittel zum Zweck sind. Wenn aber trotzdem natürlich nicht unwichtig! Denn die Techniken sind wie der Zement, der alles zusammen hält.
Martial Arts Systematics Regensburg ist nicht Wing Chun – Oder ist Fußball etwa Tischtennis?
Martial Arts Systematics Regensburg ist, und hier gibt es viele Missverständnisse, keine Kopie von Wing Chun etc. Es bezieht sich außerdem, vom Namen her, nicht auf einen »Schönen Frühling«. Martial Arts Systematics Regensburg steht für das Gegensätzliche, was jedoch harmoniert. Wie innen und außen, oder hart und weich.. Was Martial Arts Systematics Regensburg aber wirklich ist, wird nur dem länger Praktizierenden klar, und nicht dem, der Informationen aus Foren studiert …
Tu das, was nötig ist
Trenne nicht, was zusammengehört. Tu das, was Dir Freude macht aber arbeite auch an dem was Dir Angst bereitet. Springe über Deinen Schatten. Du bist zu wertvoll, um Dein Leben durch Angst bestimmen zu lassen. Also kämpfe dafür und arbeite an Deinen Schwächen. Gehe mit lockerer Erwartung an alles ran, aber gib niemals auf. Lass nicht die Trägheit Dich beherrschen, sondern beherrsche Dich und somit Dein Leben. Das ist die Einstellung der Kampfkunst, die es anzustreben gilt. Mach es zu Deinem Lebensgefühl. Kampfkunst muss man im Alltag leben, um wirklich Glück zu finden.
Dankbarkeit
Ich danke meinem Lehrer und Mentor, Ong Tai Heinrich Pfaff, dass er seinen riesigen Wissensschatz und seine Erfahrungen mit uns teilt. Er versteht es wie kein anderer, zu inspirieren und die Augen zu öffnen. Seine Inspiration ist der Antrieb meiner täglichen leidenschaftlichen Arbeit.
Ich danke allen meinen motivierten Schülern, ihr seid das Zündholz, welches mein Feuer am lodern hält. Es macht mir sehr große Freude, euch zu unterrichten und die ständigen Fortschritte zu sehen, die jeder von euch macht. Ich freue mich auf alles, was ich noch lernen darf, um selbst ein besserer Mensch zu werden und um unser Martial Arts Systematics Regensburg zu verfeinern.
Vor allem danke ich auf diesem Wege meiner Freundin Nicole, die schon einiges mit mir mitmachen musste. Sie hilft mir in meiner täglichen harten Arbeit, schenkt mir Kraft und steht mir in jeder Minute zur Seite um meinen Traum zu leben. »Ich liebe Dich.«
Nicht zuletzt bin ich dankbar für unsere Hündin »Peaches«, welche mir soviel Freude spendet und wie Balsam für meine Seele ist. Man kann von ihr einiges lernen, da sie nahezu wertungsfrei ist und mit jedem Spaß haben kann..
Euer Nok Tai
Thomas Luber

